Wir

Der Butzi vom Butzensee!

Versucht man das Rad der Geschichte um den Butzensee zurückzudrehen, um Einblicke in seine Bedeutung, seine Größe und die Besitzverhältnisse zu bekommen, stößt man auf ein fast beharrliches Schweigen der alten Urkunden und Beschreibungen. Um den Charakter des Sees etwas zu skizzieren, möchten wir hier nur einige Daten aus der langen Geschichte dieses Gewässers erwähnen.

Eine frühe Urkunde, in der der Butzensee genannt wird, wurde am 19. Mai 1434 geschrieben und besagt, dass Heinrich von Ow zu Bodelshausen unter anderem auch den „Wyer vor den Butzen“ von „Graf Ludwig zu Wirtenberg“ als Lehen überlassen bekam. Aus der Oberamtsbeschreibung Rottenburg aus dem Jahre 1750 vom Fürst Joseph Wilhelm von Hohenzollern gekauft hat, aber noch ein Tränkerecht für die Sickinger Bauern einräumen musste.

In der amtlichen Kreisbeschreibung Tübingen Band 2, 1972 lesen wir, dass dieser Kauf im Jahre 1758 getätigt wurde.

Obwohl der See eine Ausdehnung von 2 – 3 Hektar hatte und der ienzige natürliche See in weitem Umkreis war, verwundert es sehr, dass er weder in der Hechinger Chronik, noch in der Oberamtsbeschreibung Rottenburg als Fischwasser genannt wird. Wir dinden jeden kleinen Bach mit den Namen der Fische, die dort gefangen werden können, nur diesen See nicht!

Eine Urkunde von einem Überfall der Zollern in Bodelshausen beweist jedoch, dass der See auch Fische hatte, denn beim Abzug „fischte die Horde den Butzensee aus“, als Strafe!

So bleibt für den Fasnetsfreund als Konsequenz dieser Informationen nur der eine Schluss: dieser See ist vom Schleier eines Geheimnisses umgeben.

Es gelang nun tatsächlich auf närrische Art, diesen Schleier einen Spalt aufzureißen, und so verhalfen wir dem Butzi zu seiner „Fasnetsfreiheit“.

 

Der Butzi taucht auf!

Betrachten wir heute den Butzensee mit deinem dunklen, grünlichen Wasser, seinem schilfbewachsenen Rand und dem herrlichen Blick auf die Kette der Schwäbischen Alb, so macht er auf uns einen ruhigen, friedlichen und „hoimeligen“ Eindruck. Steigt der Butzi nun aus seinem Nass, so gliedert er sich in dieses Gesamtbild ein. Sein buntes Schuppenkleid und die vielfarbigen Zöpfe zeigen seine Fröhlichkeit und die Fischverwandtschaft. Wie in der gschichtlichen Entwicklung des Sees, so trägt auch dese Narrenfigur einen Widerspruch in sich. Einerseits mach sie durch lautes Schlagen mit einer Saublase auf sich aufmerksam, was jedoch durch den Klang der 50 kleinen Glöckchen wider etwas gedämpft wird. Die an der Farbe des Wassers erinnernde grau-grüne Larve vervollständigt die Gestalt. Erstaunt schaut er in seine Landschaft, mit großen Augen und einem offenen Mund, der ernst, aber nicht bedrohlich wirkt.

Nicht jedem, der absichtlich oder durch Zufall der Fasnet begegnet, können wir diese Gedanken und diese Vorstellung näher bringen.

Wir bitten nur die Skeptiker, uns unseren Spaß an der Verkörperung dieser Figur zu lassen, die Bodelshausen nicht bedroht, sondern als „narreter Mitbürger Butzi“, wie es in der Festschrift der Kreissparkasse von 1979 heißt, angenommen werden möchte.

Butzi-Butzengruppe-Narrenzunft

Wir wollen im Folgenden nicht die Entwicklung oder verschiedenen Veranstaltungen werten, sondern berichten, wie sich die Butzi-Idee in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Die Tatsache, dass wir auf knapp 30 Jahre Butzi –Bodelshausen zurückblicken können, freut uns sehr, und wir sind stolz darauf.

1977

Die vielen Gedanken verdichten sich in diesem Jahr zu einer festen Vorstellung, wie der Butzi nun schließlich aussehen soll. Es ist sehr schwer zu sagen, woher die Bezeichnung „Butzi“ eigentlich kommt. Sie entstand im Laufe der Beschäftigung mit dem Hintergrund und der Gestalt selbst. Im September war dann endlich das erste Häs (handgenäht) fertig! Jedoch ohne Oberteil. Dies sollte ursprünglich eine Schilfhaube bekommen. Wir kamen davon aber wieder ab, da diese Haube zu empfindlich gewesen wäre.

So entstand die freundlich-derbe Maske mit demgrünen Überwurf und den bunten Zöpfen, die den Wasserpflanzen nachempfunden sind. Glöckchen und Saublase vervollständigen das Bild und im November waren die ersten beiden kompletten Narrenkleider fertig.

1978

Bis zum ersten Auftritt wurden noch einmal zwei Kleider genäht. Mit großer Spannung, großer Unruhe und doch viel Mut, steuerten die ersten vier Butzi ihrem Auftritt, dem ersten Auftritt dieser Narrenfigur entgegen. Am 27. Januar 1978 war es dann soweit! Es wurde ernst! In der Turn- und Festhalle war Fasnetstanz mit dem ersten Erscheinen des Bodelshäuser Butzi. Wir waren selbst so aufgeregt, dass es sehr schwer ist, die Sunde, die wir uns in der Turnhalle bewegten, genau wiederzugeben. Jedenfalls erlebten wir Bemerkungen von „Hau ab!“ bis „Ha, ihr sent mol nette Kerle“!

Wir freuten uns darüber, dass uns nicht nur Ablehnung entgegenschlug und fassten so Mut, noch ein zweites Mal im Häs zu erscheinen.

Das war dann beim Hausball der TSG.

Im Ganzen gesehen war dies eine sehr aufregende Fasnet. Die Resonanz war positiv, sonst könnten wir heute nicht auf ein 29-jähriges Bestehen zurückblicken.

1979

Schon im kleinen Kreis mit vier Hästrägern waren wir uns darüber klar, dass dieses Kleid sich im strengen Rahmen der schwäbisch-alemannischen Fasnetsregeln bewegen soll. Wir wollen uns nicht austoben, sondern eine Figur darstellen, die einen Bezug zu Bodelshausen, dem örtlichen Kulturrahmen und der engeren Landschaft hat.

Diese Gedanken fanden großen Anklang, denn in der Fasnet 1979 konnten wir bereits mit 15 Erwachsenen und 8 Kindern auftreten. Auftreten schon, aber wo? Das war das Grundproblem. Wir streckten unsere Fühler aus und fanden zwei Narrenumzüge. Wir nahmen teil in Hechingen und in Sickingen. Zusammen waren dies schon 6 Termine der Butzi-Gruppe Bodelshausen! Wichtig zu erwähnen ist noch, dass schon in dieser zweiten Fasnet unsere Butzi-Kapelle geboren wurde (Akkordeon, Teufelsgeige), dass wir schon einen Butzi-Tanz aufführten, und das bekannte Butzi-Vesper auch zu unserem Auftreten gehörte.

Dieses Vesper begleitet uns bis heute. Es besteht aus Schwarzwurst, Schinkenwurst, Sauerkraut, Käse, Brot, Essiggurken, Bierwurst und Mostschorle.

1980

Die Idee breitet sich aus. In dieser Fasnet sind wir 28 Erwachsene und 19 Kinder. Insgesamt haben wir 6 Auftritte.

Aufregend war, dass wir unsere erste Einladung zu einem Narrentreffen bekamen. Es kam von der Narrenzunft Wurmlingen. Leider wurde dieses Fest mehr zu einer Wasserschlacht! Es regnete den ganzen Tag. Wir konnten uns aber dennoch zum ersten Mal unter so vielen Narren bewegen, und man kann sagen, dass wir uns sehr wohl fühlten. Die Butzi-Kapelle hatte sich inzwischen ausgeweitet, 2 Akkordeons, Teufelsgeige, Waschbrett!

1981

7 Auftritte standen auf unserem närrischen Fahrplan, die wir mit 47 Aktiven bewältigten. Zum ersten Mal waren wir zum großen Narrenumzug der Narrenzunft Rottenburg eingeladen. Auch sie hatte schon von den netten Butzi aus Bodelshausen gehört!

1982

Wir freuen uns darüber, dass wir bekannter werden und mehr Einladungen zu Narrenumzügen bekommen. Die Butzenzunft Hirrlingen lud uns zum Narrentreffen ein, und was uns besonders freute, auch in Bodelshausen wurden wir zu einer Veranstaltung eingeladen. Es war die Musikerfasnet des Musikvereins. Seit 1982 ist dieser Termin für uns in jedem Jahr die Möglichkeit, mit den Bürgern Bodelshausens in der Halle Fasnet zu feiern und den Musikverein darin zu unterstützen, Bodelshäuser Fasnet auf die Beine zu stellen.

In diesem Jahr trat die Butzi-Kapelle und die ganze Gruppe zum ersten Mal mit dem selbstkomponierten Narrenmarsch auf.


Butzi-Gruppe wird e.V

1983

Ein ereignisreiches Jahr stand der Gruppe bevor. Auf Grund der Größe war es höchste Zeit, der Butzi-Gruppe-Bodelshausen einen rechtlichen Rahmen zu geben. In vielen Sitzungen wurde gemeinsam eine Satzung und eine Kleiderordnung erstellt.

Am 10.7. war alles vorbereitet! Im VfB-Heim in Bodelshausen fand die Gründung der Narrenzunft-Butzi-Bodelshausen statt. Zum Vorstand wurden: Wolf-Dieter Kopf und Karl-Heinz Wach gewählt, die gemeinsam die nächsten vier Jahre das Narrenschiff durch alle Schwierigkeiten steuern sollten.

Am 4.11.83 wurde die Narrenzunft unter Nr. 670 ins Vereinsregister des Amtsgerichts Tübingen eingetragen.

So war eigentlich die Gründerzeit beendet und der Vorstand und die 5 Zunfträte mussten nun die Narrenzunft formen.